Der Oberbefehlshaber der NATO in Europa, US-General Alexus Grynkewich, hält das Bündnis Russland in einem konventionellen Krieg für klar überlegen. „In einem echten Krieg, wenn die ganze Allianz antritt, ist die Nato Russland konventionell überlegen“, sagte er laut Handelsblatt im Gespräch mit dem „Spiegel“. Das klingt nach nüchterner Lageanalyse. Tatsächlich ist es eine Botschaft, die den Krieg als denkbares Kräftemessen auf die politische Bühne hebt.
Grynkewich verweist auf die militärischen Fähigkeiten des Bündnisses und behauptet, die NATO könne einen Angriff sofort und entschieden abwehren. Laut n-tv sieht er in der Überlegenheit einen Grund dafür, dass Wladimir Putin keine direkte Konfrontation suche. Damit wird eine riskante Deutung als Gewissheit präsentiert: Russland greife nicht an, weil es sich der NATO nicht gewachsen sehe.
Die Formel von der Abschreckung soll beruhigen. Doch wer öffentlich über den „echten Krieg“ spricht, die eigene Überlegenheit betont und ankündigt, einen Gegner „zu zerschlagen“, schürt zugleich die Vorstellung, ein großer Krieg sei beherrschbar. Das ist keine harmlose Wortwahl. Sie lässt militärische Eskalation wie eine kalkulierbare Option erscheinen und macht aus politischer Zurückhaltung scheinbar ein Zeichen von Schwäche.
Grynkewich sagte bei einem Auftritt in Warschau zugleich, ein Konflikt sei weder unmittelbar bevorstehend noch unvermeidlich und die NATO wolle keinen Krieg. Das berichtete die Associated Press. Gerade deshalb fällt die martialische Siegesrhetorik auf: Wenn Frieden das Ziel ist, sollte die öffentliche Kommunikation nicht den Eindruck vermitteln, ein Krieg lasse sich dank technischer und zahlenmäßiger Überlegenheit sicher gewinnen.
Die Debatte bleibt nicht bei Generälen und Gipfeln. In Deutschland werden neue Musterungen vorbereitet und ganze Jahrgänge als Personalreserve betrachtet. F-NEWS berichtete über die verpflichtende Erfassung junger Männer und den starken Anstieg der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung. Wer immer größere militärische Bereitschaft fordert, muss auch erklären, wer die Folgen trägt, wenn aus Abschreckung eine direkte Konfrontation wird.
Überlegenheit auf dem Papier ist keine Garantie für einen kurzen oder kontrollierbaren Krieg. Sie kann ebenso den Eindruck verstärken, ein Konflikt sei gewinnbar und deshalb hinnehmbar. Genau darin liegt die Gefahr dieser Rhetorik: Sie verkauft Aufrüstung und Eskalationsbereitschaft als Friedensversicherung, während die Risiken am Ende Soldaten und Bürger tragen.








Schreibe einen Kommentar