Zwölf Stimmen Mehrheit – und 9.529 Stimmen Abstand: So dünn ist die Linie, an der die schwarz-rote Koalition hängt. Das Bündnis Sahra Wagenknecht kam bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 laut amtlichem Endergebnis auf 4,981 Prozent der Zweitstimmen. Für die Fünf-Prozent-Hürde fehlten genau diese 9.529 Stimmen, wie der Deutsche Bundestag festhält. Union und SPD verfügen derzeit über 328 der 630 Sitze.
Das Bundesverfassungsgericht will nach Angaben einer Gerichtssprecherin noch in diesem Jahr entscheiden, ob neu ausgezählt werden muss. Euronews zitiert die Sprecherin mit der Aussage, die Entscheidung solle „noch in diesem Jahr ergehen“. Ob zuvor mündlich verhandelt wird, ließ Karlsruhe offen. Das BSW hatte am 18. Februar 2026 Beschwerde eingelegt, nachdem der Bundestag im Dezember 2025 mit 427 zu 129 Stimmen eine Neuauszählung abgelehnt hatte.
Sahra Wagenknecht sagte dem stern:
BSW-Wähler werden wie Wähler zweiter Klasse behandelt.
Was würde ein BSW-Einzug rechnerisch bedeuten? Nach dem amtlichen Ergebnis der Bundeswahlleiterin entfallen auf die CDU 164, die CSU 44 und die SPD 120 Sitze – zusammen 328. Absolute Mehrheit bei 630 Sitzen sind 316. Modellrechnung mit Sainte-Laguë auf Basis der veröffentlichten Zweitstimmen: Erreicht das BSW knapp fünf Prozent (aktuelle Stimmen plus die fehlenden 9.529, andere Parteien unverändert), entfallen auf das BSW rund 34 Sitze. Union und SPD kämen auf etwa 310 Sitze – unter der Kanzlermehrheit. Das ist eine eigene Berechnung, keine amtliche Neufeststellung; Euronews und stern beschreiben denselben Kern: Die Zwölf-Stimmen-Mehrheit wäre weg.
Eine Neuauszählung ist keine automatische Wiederholungswahl. Karlsruhe könnte eine teilweise oder vollständige Nachzählung anordnen; erst deren Ergebnis würde über Sitze entscheiden. Medien nennen rund 30 Mandate, die bei anderer Sitzverteilung entfallen könnten. Ob Schwarz-Rot dann mit anderen Partnern, als Minderheit oder über Neuwahlen weiterregierte, bliebe Politik. Schon jetzt rechnen viele mit einem frühen Koalitionsende, wie wir unter 57 Prozent erwarten Koalitionsbruch beschrieben haben; die AfD spekuliert derweil über eine Unions-Minderheitsregierung. Vor Weihnachten setzt Karlsruhe zumindest den nächsten Takt.








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