Am Samstag, dem 24. Oktober 2026, kam es bei Protesten in Frankreich, Italien, Spanien, Belgien und Albanien zu Zusammenstößen. Die folgende Übersicht enthält die bislang gemeldeten Ortsbilanzen. Zahlen zu Festnahmen und Verletzten sind vorläufig.
In Frankreich richteten sich die Proteste gegen steigende Lebenshaltungskosten und für bessere öffentliche Leistungen. Laut Innenministerium nahmen 410.000 Menschen an 289 Aktionen teil, die CGT nannte 800.000. Innenminister Laurent Nuñez meldete am Abend knapp 1.000 Festnahmen im ganzen Land. 70.000 Polizisten und Gendarmen waren eingesetzt. Das berichtet TF1 Info.
In Paris kam es am Ende des zunächst friedlichen Zuges im Bereich Porte de Vincennes zu Würfen mit Gegenständen und Zusammenstößen. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Die Behörden zählten 110.000 Teilnehmer, die CGT 250.000. In Lyon meldete die Präfektur 10.000 Teilnehmer, 36 Festnahmen und 22 Verletzte, darunter 18 Polizisten oder Gendarmen. Drei Geschäfte wurden beschädigt.
In Nantes gab es Zusammenstöße, Würfe mit Gegenständen und Plünderungen; die Polizei verwendete Tränengas und Wasserwerfer. Die spätere Bilanz lautete 70 Festnahmen in Nantes, 72 im gesamten Département Loire-Atlantique. In Marseille begannen die Zusammenstöße kurz vor 17 Uhr an der Porte d’Aix. Die Polizei meldete 51 Festnahmen, davon 20 anschließende Polizeigewahrsame, sowie drei geplünderte oder beschädigte Geschäfte. 17.000 Teilnehmer wurden von der Polizei, 100.000 von der CGT angegeben.
In Grenoble wurden Geschäfte beschädigt und teilweise geplündert. Die Bilanz betrug 15 Verletzte und sieben Festnahmen; laut Präfektur waren acht Verletzte Polizisten und sieben Demonstranten. In Lille wurden nach dem Einsatz von Tränengas, Wasserwerfern und Polizeigranaten 38 Menschen festgenommen. In Clermont-Ferrand wurde ein Demonstrant an der Hand verletzt; die Präfektur widersprach Meldungen über verlorene Finger. In Toulouse wurde ein 20-Jähriger bei Zusammenstößen schwer an der Hand verletzt. Über diese Verletzung berichtet Prisme unter Berufung auf Franceinfo und die Präfektur.
In Tours wurde bei einem Protest mit etwa 5.500 Teilnehmern eine Bankfiliale an der Avenue de Grammont angezündet. Wohnungen darüber wurden beschädigt, Bewohner mussten anderweitig untergebracht werden. Die Präfektur meldete acht verletzte Polizisten und neun beschädigte Geschäfte. In Montpellier wurden acht Festnahmen und zwei verletzte Polizisten gemeldet. In Limoges löste die Polizei einen nicht angemeldeten Zug nach ersten Zusammenstößen mit Tränengas auf.
In Nizza kam es neben Auseinandersetzungen mit der Polizei zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Rechtsextremen. Drei Menschen wurden dabei leicht verletzt; außerdem meldeten die Behörden zwei verletzte Polizisten. Die spätere Tagesbilanz lautete 63 Festnahmen bei bis zu 2.300 Teilnehmern. Unter den Festgenommenen waren laut Präfektur elf Rechtsextreme. Geschäfte wurden nicht beschädigt.
In Italien wurden Zusammenstöße in Turin, Bologna, Rom und Florenz sowie Vorfälle am Bahnhof von Padua gemeldet. Laut Rai News flogen in Turin Steine, Flaschen und Böller; die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. In Bologna brannten Müllcontainer. In Rom drangen Demonstranten auf das Kolosseum-Gelände vor; ab etwa 19.30 Uhr kam es bei Largo Santa Susanna und Via Vittorio Emanuele Orlando zu Zusammenstößen. In Florenz wurden am Ponte Santa Trinita Flaschen und Böller geworfen, später Straßenbahngleise blockiert. In Padua verhinderten Polizisten mit Wasserwerfern eine Bahnhofsbesetzung. Landesweit meldeten die Behörden neun Festnahmen, 87 Anzeigen und 371 zur Dienststelle gebrachte oder vorübergehend festgehaltene Personen, darunter 110 Minderjährige. Diese Maßnahmen umfassten auch vorbeugende Kontrollen. Eine Gesamtzahl der Verletzten lag nicht vor.
In Barcelona wurden an der Plaça de Catalunya und angrenzenden Straßen Barrikaden errichtet und angezündet, Schaufenster eingeschlagen und Geschäfte geplündert. Auch Haltestellen, Ampeln, Motorräder und Fahrräder wurden beschädigt. Die nicht genehmigte Versammlung war über soziale Netzwerke verbreitet worden. Europa Press berichtete über die Räumung der Plaça de Catalunya; die spätere Agenturbilanz nannte rund 100 Festnahmen, darunter 27 Minderjährige.
In Brüssel versammelten sich etwa 400 Menschen gegen die Regierungspolitik. Nach dem Auftakt am Mont des Arts zogen Gruppen nach Saint-Gilles und Anderlecht. Es gab kurze Zusammenstöße, Pfeffersprayeinsätze und eine Barrikade aus Rollern, Fahrrädern und Baumaterial. Die Polizei meldete fünf Festnahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und vier strafrechtlich begründete Festnahmen, unter anderem wegen verbotener Waffen und Aufrufen zu Ausschreitungen.
In Tirana begann der Protest gegen 14 Uhr vor dem Bildungsministerium. Später kam es am Skanderbeg-Platz, am Amtssitz des Ministerpräsidenten und auf dem Boulevard Dëshmorët e Kombit zu Zusammenstößen. Demonstranten warfen Steine, Feuerwerkskörper und Brandsätze; die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Laut RTSH brannte das Umweltministerium, außerdem wurden Eingänge des Landwirtschaftsministeriums und des Rathauses in Brand gesetzt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums, übermittelt durch Nacionale, wurden 13 Verletzte behandelt: acht Demonstranten, drei Polizisten und zwei Medienvertreter. Vier Demonstranten blieben im Krankenhaus.
Die französischen Proteste folgten auf die Ausschreitungen vom 17. Oktober in Paris und die bereits zuvor berichteten Schülerproteste in Frankreich.
In Deutschland gab es mehrere Aufrufe gewaltbereiter Linker zu Protesten „wie in Frankreich“ und Solidaritätsbekundungen. Für den 31. Oktober werden über die Webseite „genz-regelt.de“ Demonstrationen organisiert. Dort distanziert man sich von Gewalt, in den sozialen Netzwerken kursieren aber Drohungen und Aufrufe von Einzelpersonen und Gruppen, diese Proteste zu nutzen, um die Städte „in Schutt und Asche“ zu legen. Wie hoch das Gewaltpotential tatsächlich ist, lässt sich schwer einschätzen. Es hat auf jeden Fall gestern noch nicht ausgereicht.








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