Der oberste Weltraumwächter der Bundeswehr zweifelt nicht an außerirdischem Leben. Generalmajor Michael Traut, seit 2021 Kommandeur des Weltraumkommandos der Bundeswehr im niederrheinischen Uedem, sagte im Interview mit dem „Stern“: „Ich bin mir absolut sicher, dass es irgendwo da draußen andere Lebensformen gibt.“ Die „Welt“ und andere Medien griffen die Aussage am Dienstag auf. Eine Bedrohung durch Außerirdische, gegen die Deutschland rüsten müsste, sieht der 61-jährige Luftwaffenoffizier allerdings nicht.
Traut begründet seine Haltung mit der Größe des Universums. Genau diese Größe mache es aber unwahrscheinlich, „dass wir irgendwie mit ihnen in Kontakt treten können“. Auf die Frage, ob Aliens bei der Beschaffung von Weltraumwaffen ein Faktor seien, antwortete er knapp: „Richtig. Wir müssen uns erst mal auf menschengemachte Bedrohungen einstellen. Und davon gibt es schon genug.“ Sein Kommando beobachte zwar sogenannte Near-Earth Objects, also Asteroiden, Kometen und Meteoroiden, die der Erde nahekommen. „Manche Wissenschaftler behaupten, das seien extraterrestrische Raumschiffe“, sagte Traut. „Ich folge diesen Wissenschaftlern nicht.“ Wen er damit meint, ließ er offen.
Der weitaus größere Teil des Gesprächs dreht sich um handfeste Gefahren. Die Bundeswehr werde im Weltraum „jeden Tag gestört und bedroht“, sagt Traut. Er verweist auf russische GPS-Störungen aus dem Raum Kaliningrad, den Hackerangriff auf das Satellitennetz Viasat zu Beginn des Ukrainekriegs und den russischen Test von 2021, bei dem Moskau den eigenen Satelliten Kosmos 1408 zerstörte und rund 1500 sichtbare Trümmerteile erzeugte. Zudem müsse man darüber sprechen, ob Russland an einer Atomwaffe für den Orbit arbeite. Die Bundesregierung will bis 2030 insgesamt 35 Milliarden Euro in Weltraumsicherheit stecken, geplant sind unter anderem eigene Wächter- und Inspektionssatelliten. Traut selbst spricht lieber von „aktiven Wirkmitteln“ als von Waffen.
Gerade in diesem Zusammenhang ist die Alien-Passage mehr als eine Randnotiz. Ausgerechnet der Offizier, dessen Kommando das Weltraumlagebild für Deutschland erstellt und Objekte im All verfolgt, hält außerirdisches Leben für eine Gewissheit. Für Sichtungen ungeklärter Objekte hat Berlin aber nicht einmal ein Verfahren. Auf eine Kleine Anfrage der AfD erklärte die Bundesregierung, es gebe für UAP weder eigene Erkenntnisse noch einheitliche Begriffe oder besondere Meldewege, und für den Fall von Signalen möglicherweise nicht menschlichen Ursprungs bestünden keine besonderen Zuständigkeiten. F-NEWS hat diese dünne Antwort der Bundesregierung ausführlich dokumentiert.
Ganz anders gehen die Vereinigten Staaten mit dem Thema um. Das Pentagon veröffentlicht seit Monaten seine UFO-Akten in Tranchen. In der siebten Tranche sieht die US-Untersuchungsstelle AARO bei einem schwarzen Dreieck an einem sicherheitsrelevanten Standort im Westen der USA sogar weiteren Ermittlungsbedarf. Schon zuvor hatte das Verteidigungsministerium 15 neue UAP-Videos freigegeben, sechs kugelförmige Objekte blieben dabei ungeklärt. Einen Beweis für außerirdische Technik enthalten diese Unterlagen nicht, wohl aber den Nachweis, dass ein Militär solche Fälle ernsthaft erfassen und prüfen kann.
Trauts Aussage ist kein Disclosure und auch kein Hinweis auf geheime Erkenntnisse. Er spricht über Leben irgendwo im All, nicht über Besuche auf der Erde, und er hält einen Kontakt ausdrücklich für unwahrscheinlich. Nach Einschätzung von F-NEWS liegt ihr Wert woanders: Wenn selbst der zuständige General die Frage nach anderen Lebensformen nicht mehr belächelt, wirkt die Haltung der Bundesregierung, ungeklärte Beobachtungen im Luft- und Weltraum gar nicht erst systematisch zu erfassen, umso weniger zeitgemäß. Wer 35 Milliarden Euro in die Überwachung des Orbits investiert, sollte auch erklären können, was mit Daten geschieht, die sich keinem Satelliten, keinem Trümmerteil und keinem Asteroiden zuordnen lassen.








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